Andacht

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

hinter sich die Sklaverei. Die ägyptische Armee. Vor sich das Meer. Unüberwindbar. Tödlich. Ihre Nerven liegen blank. Sie motzen. Meutern. Sind verzweifelt. Machen Mose verantwortlich. Er hat sie herausgeführt. Auch in diese missliche Lage gebracht. Seine Nerven sind gespannt bis zum Zerreißen. Jetzt will er ihnen Hoffnung machen. Sagt ihnen:

Seid frei von Angst. Bleibt stehen. Schaut mal, wie Gott, der Herr, Euch heute rettet. (2. Mose/Exodus 14, 13).

Gott antwortet. Beruhigt. Öffnet ihnen einen Horizont. Weitet ihren Blick. Lenkt ihn von ihrer misslichen Lage weg. Weit weg. Gott rettet seine Leute. Öffnet ihnen den Weg durchs Schilfmeer. Die ägyptische Armee kommt um. - Heilsgeschichte für Gottes Leute.
Unheilsgeschichte für die Gegner. - Für die, die Gottes Kinder verfolgen. So erzählt. So aufgeschrieben im 2. Mose. Im Buch Exodus = Auszug. Urgeschichte für das Selbstverständnis des Volkes Israel bis heute: Gott befreit seine Leute/Kinder aus der Sklaverei. Gott rettet seine Leute/Kinder vor der Vernichtung. 

Und wie gehe ich damit um?
Diese Sätze kann ich in meinen persönlichen Glauben hineinnehmen. Gott danken, dass er für mich einsteht. Für die Menschen, die sich um seinen Tisch versammeln. Kann ich diese Sätze auch sagen für das Handeln seiner Kinder in Israel? Unserer älteren Geschwister im Glauben? Oder muss ich da als jemand, der von weit außen schaut, ‚Handeln im Glauben‘ und ‚Handeln des Staates Israel‘ trennen? Kann ich das von hier aus überhaupt?

Offene Fragen.
Was ich tun kann ist, für die Menschen bei Gott eintreten.
Für alle, denen durch diesen Konflikt seit langer Zeit unermessliches Leid widerfährt.
Für alle, die in diesem Konflikt zu Täterinnen und Profiteuren werden.
Und vor allem: ich kann für den Frieden beten. Dort in Israel/Palästina. Zwischen den Menschen. Und den Staaten.
Dann darauf trauen, dass Gott immer wieder Menschen begabt, die althergebrachten Rollenmuster zu durchbrechen.
Damit Friede werde unter uns.

Das wünsche ich Ihnen
Ihr „Lutherpfarrer“ Wolfdietrich Rasp