Andacht

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

nur was ich sehe kann ich glauben – sagt der „Moderne Mensch“:
der auf die Naturwissenschaft vertraut.
der auf seinen Besitz vertraut – Auto. Haus. Baum. Familie.
der glaubt, sein Fußballverein spiele den besten Fußball.
der glaubt, nur was er begreifen kann, ist auch wahr. Ist Realität.
der Religion ablehnt, vor allem die Kirche, die Esoterik. Der dann aber glaubt, dass Außerirdische alles Leben auf die Erde brachten. Für den Schwingungen und Sternkonstellationen das Schicksal eines Lebens prägen.

All das: Puzzleteile des „Modernen Menschen“, wie ihn sich Männer bis heute vorstellen. Ihm nachrennen. Ihn leben wollen nach dem Motto:

Nur was ich sehe, kann ich glauben.

Aber: das ist alles andere als ‚modern‘. Begegnet uns schon in der Bibel. Zur Zeit Jesu. Der Evangelist Johannes erzählt von Thomas. Jünger Jesu. War unterwegs als Jesus gefangen genommen wurde. Gefoltert. Als er gestorben wurde, hingerichtet. Auferstand an Ostern. Thomas misstraut denen, die ihm von Ostern erzählen. Will Jesus selbst sehen. Begreifen. Ist bei den anderen, als Jesus kommt. Der Auferstandene. Der Verwundete. Gezeichnete. Der um Thomas weiß. Und dessen Frage nach seiner Glaubwürdigkeit. Sagt Jesus zu Thomas: Weil Du mich gesehen, begriffen hast, glaubst Du? Selig sind, die ohne zu sehen glauben.

Nur was ich sehe, kann ich glauben.

Jesus sagt ganz deutlich: ‚Das ist ein Irrweg‘. Glauben geschieht im Vertrauen. Klar, Sehen und Begreifen kann dazu kommen. Aber: wenn ich glaube vertraue ich. Auf Gott. Seine Liebe zu uns Menschen. Und dass er mich trägt. Hält. Begleitet. Ganz nahe ist. Denn das wiederum spüre ich. In den Menschen, die mir begegnen.

So wünsche ich Dir, dass Dir über Ostern und an all den Tagen, die dann kommen, Menschen begegnen, denen Du abspürst, sie vertrauen. Glauben. Wissen sich getragen von Gott. Immer. Überall.

Bleib behütet. Gesegnet. Lebendig.

Dein Seelsorger Wolfdietrich Rasp