Andacht

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

jeder Monat hat ein eigenes Gesicht. Eigene Prägung. Früher sangen sie im März: Im Märzen, der Bauer die Rösslein einspannt… - Monat der Vorbereitung. Die Äcker wurden fertig gemacht, um zu säen. Lange her. Jeder Monat hat sein eigenes Gesicht. In diesem Jahr: der ganze März: Passionszeit. Fastenzeit. Ja, die gibt’s bei uns Christenmenschen auch. Zeitgleich begann der Ramadan. Muslimische Fastenzeit. Viele wissen darüber mehr als über unsere christlichen Fastenzeiten. Schade!

Wir Christenmenschen bedenken Jesu Weg nach Jerusalem. Führt in den Tod. In die Auferstehung. Neues Leben. Ostern.

Unterwegs begegnet Jesus ganz unterschiedlichen Menschen. Persönlichkeiten. Im Umfeld von Jerusalem Freund:innen: Maria, Martha und Lazarus. Der ist krank. Starb schon vor einigen Tagen schon. Seine Schwestern werfen Jesus vor, er habe rumgetrödelt. War abwesend, als Lazarus starb. Hätte ihn ja wohl retten können. Jesus verweist sie auf die Auferstehung. Sie missverstehen. Denken an die Auferstehung am Ende der Zeit. Jüdischer Glaube. Christlicher Glaube. Dann gehen alle zum Grab. Jesus ist bewegt. Der Evangelist Johannes erzählt von Jesu Zorn. Seiner Wut. Und davon, dass er am Grab weint – Jesus weint (Johannes 11. 35). Sie öffnen das Grab. Jesus betet. Ruft Lazarus aus den Toten. Für ihn: Leben.

Jesus weint – Tränen der Trauer. Um Lazarus. Seinen Freund. Vielleicht auch der Enttäuschung. Dass sie ihn so wenig kennen. So wenig seinem Vater, Gott, vertrauen. Dass sie glauben wie Menschen glauben. Unperfekt. Zu klein. Zu begrenzt. Damals. Heute.

Jesus weint – ungewöhnlich für den Evangelisten Johannes. Er zeichnet Jesus eher als über den Dingen stehend. Näher bei Gott als bei den Menschen. GottSohn eher als MenschenSohn. Und dann diese Begegnungen. Jesus ist wütend. Jesus weint. Ist emotional. Hat Gefühle. Wut. Trauer. Freude. Liebe. Jesus war Mensch. Lebte als Mensch unter Menschen. Ganz und gar. Blieb Gott dennoch unendlich nahe. Sein Sohn. Unser Bruder. Brückenbauer zwischen Gott und Menschen. Brückenbauer zu Gott. Immer wieder neu.

Jesus weint – Ihn dürfen wir mitnehmen. Weitersagen. Den Bruder. Freund. Ihn weiterleben. Im Alltag. Jeden Tag im März. Und an allen Tagen, die kommen. Dazu wünsche ich uns Mut. Glaubwürdigkeit. Liebe.

Bleibe behütet. Dein Seelsorger Wolfdietrich Rasp